Fahrweid

Marc Hess Architekten

Lindenbaum: drei Häuser aus vorvergrautem Holz an der Wehntalerstrasse in Oberweningen, mit steilem Satteldach, Lukarnen und weinroten Fenstern. Marc Hess Architekten hat die Arealüberbauung geplant…

Lindenbaum: drei Häuser aus vorvergrautem Holz an der Wehntalerstrasse in Oberweningen, mit steilem Satteldach, Lukarnen und weinroten Fenstern. Marc Hess Architekten hat die Arealüberbauung geplant, und Orbit hat sie gezeigt, bevor der erste Balken stand. Es war im Herbst 2024 der allererste Auftrag, noch vor der Gründung der Firma.

Wer eine Wohnung kauft oder mietet, die es noch nicht gibt, kauft ein Bild. Marc Hess wollte darum Bilder, die das Projekt verkaufen, aussen und innen, und die trotzdem genau das zeigen, was gebaut wird. Grundlage war das ArchiCAD-Modell des Büros, zuerst in der Fassung der Baueingabe; mitten im Auftrag kam die Fassung der Baufreigabe. Dazu kam das Farb- und Materialkonzept vom September 2024: welches Holz, welches Rot an den Fenstern, welche Storen, welches Dach. Die Bilder sollten zeigen, was dieses Konzept festlegt, und nicht, was eine Materialbibliothek gerade hergibt.

• ArchiCAD-Modell als Grundlage • Baueingabe und Baufreigabe • Farb- und Materialkonzept umgesetzt • Storen, Rahmen und Dach neu gebaut • Strasse, Gelände und Gärten • Eine eingerichtete Wohnung • Licht in der Unreal Engine • Eine Szene, die bleibt

Ein Planmodell ist kein Bild

Aus dem Planungsprogramm kommt ein Modell, das für Pläne gebaut ist: richtige Masse, richtige Geschosse, graue Flächen, ein Rasen ohne Ende. So sahen die Ansichten des Büros im August 2024 aus. Sie zeigen das Projekt richtig, aber noch nicht, wie es sich anfühlt, dort zu wohnen. Was ein Bild zusätzlich braucht, entstand erst im Auftrag: Storen, Fensterrahmen und ein Dach, die als Bild bestehen, dazu Gelände und Strassen, die Nachbarhäuser, Bäume, Autos und Menschen.

Drei Werkzeuge, ein Bild

Orbit hat das Modell in Maya aufbereitet, Bauteil für Bauteil: neue Lamellenstoren, neue Fensterrahmen in der Fassade, ein Dach mit Ziegeln, Lukarnen, Dachfenstern und Photovoltaik. In Twinmotion kamen Gelände, Strasse, Bäume und Möbel dazu, und in der Unreal Engine entstanden Licht, Kameras und Bilder. Gerendert wird dort in Echtzeit, und darum lässt sich eine Kamera so lange verschieben, bis die Häuser so stehen, wie man sie von der Strasse aus sehen wird.

Ein langer Weg

Lindenbaum war eine Reise. Zuerst sollten die Häuser in Aufnahmen des Grundstücks montiert werden, vom Strassenrand aus, mit Bauzaun und Kiesplatz. Die Bilder wurden dafür bereinigt und mit zwei KI-Werkzeugen auf die vierfache Grösse gebracht, und trotzdem trug die Montage nicht: zu wenig Auflösung, zu viel Zufall im Licht. Also entstand die ganze Umgebung im Modell, mit eigenem Gelände, eigener Strasse und eigenem Himmel. Ende November 2024 zog das Projekt in die Unreal Engine, und die automatischen Sicherungen erzählen von Nächten bis fünf Uhr morgens. Am 3. Dezember folgte der Wechsel auf Unreal Engine 5.4, mit drei Exporten aus Twinmotion, und am 5. Dezember entstanden die zehn Bilder in vier Minuten. Vier Minuten, für die es drei Monate gebraucht hat.

Das Konzept, Bauteil für Bauteil

Das Farb- und Materialkonzept legt für jedes Bauteil Material, Farbe und Nummer fest, und die Bilder halten sich daran. Die Fassade ist aus vorvergrautem Holz mit senkrechter Schalung, Swiss Silver Protect, auf einem Sockel aus Chromstahlblech. Die Fensterrahmen sind aussen weinrot in RAL 3005, und dasselbe Weinrot kehrt an den Hauseingangstüren, den Briefkästen und den Balkongeländern wieder. Die Lamellenstoren sind schwarz und matt, die Lukarnen aus Titanzink, das Vordach am Eingang telegrau, die Untersichten der Balkone aus leicht lasiertem Sichtbeton. Und auf dem Satteldach liegen dunkle Flachziegel neben einer Photovoltaikanlage.

Innen: eine Wohnung

Für die Innenansichten hat Orbit eine Wohnung eingerichtet: offene Küche mit Kochinsel, Essbereich, Wohnzimmer und der Sitzplatz vor der Fensterfront. Möbel, Leuchten und Gegenstände geben den Räumen ihren Massstab, damit man die Grösse eines Raumes abschätzen kann, und durch die Fenster bleiben Sitzplatz und Garten sichtbar.

Bis ins Bad

Eine Wohnung endet nicht am Esstisch. Darum gibt es auch das Schlafzimmer, mit Parkett, Doppelbett und dem Blick durch die offene Tür zurück in den Wohnraum, und das Bad mit bodenebener Dusche, Waschtisch aus Holz und einem Fenster, vor dem die schwarzen Storen halb geschlossen sind. Es sind die Räume, nach denen bei einer Besichtigung zuerst gefragt wird.

Standbilder, und eine Szene, die bleibt

Geliefert wurden Standbilder, aussen und innen, keine Animation und kein Rundgang. Die Szene selbst bleibt aber erhalten, mit Gelände, Umgebung und eingerichteter Wohnung. Eine weitere Ansicht ist damit eine neue Kamera im bestehenden Modell, kein neues Projekt. Lindenbaum war der erste Auftrag von allen, eine Schule in Geduld, und er hat etwas gelehrt, das seither gilt: Ein gutes Bild beginnt nicht mit der Kamera, sondern mit dem Konzept des Architekten.

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