3D-Visualisierung
3D-Visualisierung bei Zürich: Produkte, Gebäude und Figuren als Modell, aus dem jedes weitere Bild entsteht.
- Umsetzung: Orbit
3D-Visualisierung bei Zürich: Produkte, Gebäude und Figuren als Modell, aus dem jedes weitere Bild entsteht.
Ein Produktfoto braucht ein Muster, ein Studio, eine Fotografin und einen Termin, und für jede Farbe, jede Sorte und jede Sprache beginnt alles von vorn. Frucht sieht nach einer Stunde unter Studiolicht nicht mehr frisch aus, ein Gebäude, das es noch nicht gibt, lässt sich gar nicht fotografieren, und eine Felge, die bald lanciert wird, existiert vielleicht erst als CAD-Datei beim Ingenieur. Ein 3D-Modell braucht all das einmal. Danach entstehen Packshots, Plakate, Filme und Echtzeit-Szenen aus derselben Datei, in jeder Farbe, jedem Format und aus jedem Winkel. Orbit baut solche Modelle und die Bilder dazu, von der Flasche bis zum Gebäude, für Print, Web und Kampagne. Viele der Arbeiten auf dieser Seite entstehen von 2020 bis 2023 mit Jan Stalder bei der Geyst AG, die neueren bei Orbit.
• Produktvisualisierung und Packshots • Key Visuals für Kampagnen • Architekturvisualisierung aussen und innen • Produktfilme aus CAD-Daten • Photogrammetrie realer Objekte • Charaktere und Kollektionen • Echtzeit-Szenen in der Unreal Engine • Ebenen für Schnitt und Grading
Keine Flasche vor der Kamera
Mineralwasser ist ein hart umkämpftes Regal, und mit aromatisierten Wassern wird es noch voller. Für die Lancierung von Valais Botanical, der zweiten Linie des Mineralwassers aus Aproz, schlägt Jan Stalder 2022 vor, was bei Valais bis dahin niemand versucht hat: die Flaschen nicht mehr aufwendig zu fotografieren, sondern vollständig in 3D zu bauen. Drei Sorten mit je eigenem Arrangement, Himbeere mit Verveine, Aprikose mit Holunderblüte, später Zitrone mit Minze, jede als Einzelflasche und im 6-Pack, mit und ohne Kondenstropfen, in drei Sprachen: Im alten Verfahren hätte jede Variante ein eigenes Shooting gebraucht. Im neuen ist die Flasche ein Modell, das Etikett ein eigenes Teil bis in seine Falten, und jede Frucht und jede Blüte ein einzelnes Modell aus einem Baukasten.
Aus dem Baukasten wächst jedes Key Visual in vier Stufen, von der Flasche mit einer halben Frucht bis zum vollen Arrangement: die ruhige Stufe für ein kleines Inserat, die volle für das Plakat am Bahnhof. Eine neue Sprache kostet nur einen neuen Satz, und als im Februar 2023 Zitrone-Minze dazukommt, liegen Packshots und 6-Pack Ende Februar vor und das Key Visual im März, ohne ein einziges Shooting. Im Mai 2023 entstehen Plakatmotive zusätzlich in der Unreal Engine 5, mit Pflanzen aus Scans. Im Regal hat niemand bemerkt, dass für diese Kampagne keine einzige Flasche vor einer Kamera stand.
Vom CAD zum Film in zwanzig Minuten
RONAL gehört zu den führenden Herstellern von Leichtmetallrädern, mit rund 7000 Mitarbeitenden und Werken in zwölf Ländern. Jedes Jahr zeigt die Gruppe ihre neuen Modelle in der Kampagne «Wheel Aesthetics»: kurze Filme, immer dieselbe Kamera, immer dasselbe Licht, und für jedes Modell beginnt die Arbeit bei einem externen Anbieter von vorn. 2021 sieht Jan Stalder bei Geyst darin keine Produktion, sondern ein Muster, und in drei Monaten entsteht in der Unreal Engine 5 eine Pipeline, die aus einer CAD-Datei den fertigen Film macht: eine Basisszene pro Marke, Materialien aus einem Katalog, Licht aus festen Setups und zwei Kameras, «Legacy» für den Blick, den die Kampagne seit Jahren hat, und «Geyst» für einen neuen Vorschlag.
Nach rund 20 Minuten liegen Film und Standbilder in 4K vor, im Hoch- und im Querformat. Und weil ein Farbton, der zwischen Ingenieur, Agentur und Renderer verloren geht, mehr Zeit kostet als jeder Render, entsteht dazu ein Material-Konfigurator: Der Ingenieur der Felge stellt Farbe, Klarlack, Rauheit und Metallic selbst ein, sieht das Ergebnis sofort auf einer Materialkugel und schickt ein Bild, dessen Dateiname Felge und Materialien trägt. Was jedes Jahr gleich produziert wird, baut man einmal richtig.
Ein Publikum aus dem Ofen
Wer Natürlichkeit verspricht, kann sie nicht mit Bildern erzählen, die nach Rechner aussehen. Im Spot «Festival Minis» für die Vorzugsbutter Floralp steht die Packung auf einer Festivalbühne, und davor jubelt ein Publikum aus lauter kleinen Brötchen, ganz nah an der Kamera, mit Kruste, Rissen und Glanz. Die Brötchen werden darum nicht modelliert, sondern gebacken: Jedes steht einzeln auf einem dünnen Stab im Studio, zwischen 113 und 167 Aufnahmen pro Brötchen, und aus jeder Serie entsteht per Photogrammetrie ein Modell mit Texturen in 4096 Pixeln. Die Augen sind eigene Modelle, getrennt vom Brot, damit die meisten einfach Brot bleiben und nur einzelne zur Bühne schauen. Genau dort sucht das Auge des Zuschauers zuerst.
Eine Bank in der Schneekugel
Im Private Banking ist die Marke das Produkt, und an die Karte zum Jahresende stellt Julius Bär höhere Ansprüche als an einen ganzen Quartalskatalog. 2021 wagt Geyst dafür zum ersten Mal 3D: In Maya entsteht eine stilisierte Schneekugel, das Gebäude der Bank zwischen Tannen und Schneeflocken, alles in Weiss, so ruhig wie eine verschneite Nacht. Im Jahr darauf wird aus der Kugel eine Strasse. Das Haus an der Bahnhofstrasse entsteht vollständig in der Unreal Engine 5, mit beleuchteten Fenstern und eingerichteten Büros, und über der Strasse hängt die Zürcher Weihnachtsbeleuchtung «Lucy». Gerendert wird nicht ein Bild, sondern Ebenen, Gebäude, Schnee, Fenster und die Lichter einmal farbig und einmal weiss, damit sich im Schnitt jede einzeln abstimmen lässt, bis der Abend genau so aussieht, wie ihn die Bank meint.
Ein Gebäude, bevor der erste Balken steht
Wer eine Wohnung kauft, die es noch nicht gibt, kauft ein Bild. Für die Überbauung Lindenbaum von Marc Hess Architekten in Oberweningen, drei Häuser aus vorvergrautem Holz mit steilem Satteldach, wollte das Büro Bilder, die das Projekt verkaufen und trotzdem genau das zeigen, was gebaut wird. Aus dem Planungsprogramm kommt ein Modell mit richtigen Massen und grauen Flächen; was ein Bild zusätzlich braucht, entsteht erst im Auftrag. Orbit bereitet das Modell 2024 in Maya Bauteil für Bauteil auf, neue Lamellenstoren, neue Fensterrahmen, ein Dach mit Ziegeln, Lukarnen und Photovoltaik, in Twinmotion kommen Gelände, Strasse, Bäume und Möbel dazu, und in der Unreal Engine entstehen Licht und Kameras.
Die Bilder halten sich an das Farb- und Materialkonzept des Architekten, Bauteil für Bauteil: senkrechte Schalung aus vorvergrautem Holz, Fensterrahmen in Weinrot RAL 3005, dasselbe Rot an Türen, Briefkästen und Balkongeländern, schwarze matte Storen, Lukarnen aus Titanzink. Innen ist eine Wohnung eingerichtet, von der Küche bis ins Bad, weil das die Räume sind, nach denen bei einer Besichtigung zuerst gefragt wird. Am 5. Dezember 2024 entstehen die zehn Bilder in vier Minuten, vier Minuten, für die es drei Monate gebraucht hat. Und die Szene bleibt: Eine weitere Ansicht ist eine neue Kamera im bestehenden Modell, kein neues Projekt.
333 Figuren, keine vom Zufall
Mit MINDDS Eternals verlassen die Figuren des Künstlers Dario De Siena den Bildrand: 333 Charaktere, von Hand in die dritte Dimension gebracht, jeder als Loop von zehn Sekunden in 2500 mal 2500 Pixeln. Wo andere Kollektionen ihre Figuren von einem Zufallsgenerator aus Einzelteilen würfeln lassen, entsteht bei Geyst ein eigener Editor in der Unreal Engine 5, in dem Texturen, Licht, Frisuren, Hörner und Augen gemischt und jede Figur einzeln kuratiert wird. Jede der 24 Kombinationen aus sechs Grundformen und vier Kronenstufen ist von Hand besetzt, und die seltensten sind gesetzt, nicht gezogen. Für die NFT NYC 2022 wird daraus ein ganzer Lichtraum mit vier Projektionsflächen und einer dreiminütigen Choreografie.
Ein Modell, viele Bilder
Wer ein Produkt einmal als Modell besitzt, hat mehr als ein Bild: Jede neue Farbe, jede Kampagne und jeder Film beginnt bei dieser Datei statt bei einem neuen Shooting. Bei Orbit liegt dieser Weg heute in Parallax, dem eigenen Kreativstudio, in dem Fläche, Bewegung, 3D und Video in einem Dokument stehen. Seine Bibliothek zeigt jedes ihrer 159 Materialien als pfadverfolgte Vorschau statt als flache Farbkachel, und gerendert wird als Bildfolge mit fester Qualität, damit Bild zwölf aussieht wie Bild eins. Seit Oktober 2026 entstehen auch die Filme der Fallseiten auf orbit.zuerich in Parallax, und jeder wird gemessen, bevor er online geht: Bildzahl, schwarze Bilder, harte Schnitte, der Übergang am Ende der Schleife.
Und wo ein Bild nicht reicht, wird 3D zur Anwendung: Annihilation, die Echtzeit-Strategie von Orbit, rechnet eine ganze Galaxie direkt im Browser. Was bei Geyst als Experiment für eine Weihnachtskarte begann, ist heute eine Disziplin, die vom Packshot bis zur Echtzeit-Szene reicht. Wer ein Produkt, ein Gebäude oder eine Figur zeigen will, bevor es sie gibt, findet in Fahrweid bei Zürich die Menschen, die sie bauen.
